basics Nr. 479

EUREGIO TIROL FREITAG, 7.5.2021 | NR. 479 2 D ass Entscheidun- gen in der Pande- mie oft schnell getrof- fen werden müssen und dabei auch Fehler passieren können, ist nachvollziehbar. Corona darf jedoch nicht die Ausrede sein, um ein bestehendes, feh- lerhaftes System aufrecht zu erhalten. Leider ist es genau das, was in Tirol im Moment passiert. Es wäre ja fast zu schön gewesen um wahr zu sein, wenn das Tiroler Corona-Manage- ment diesen Frühling einmal nicht öster- reichweit in die Schlagzeilen geraten wäre. Doch wieder einmal waren Beziehungen wichtiger als Qualität und so wurde ein Mil- lionen-Vertrag für Corona-Testungen ohne öffentliche Ausschreibung direkt an ein Un- ternehmen mit Nähe zur Adler Runde ver- geben. Neben der Tatsache, dass anderen Unternehmen nicht einmal die Möglichkeit gegeben wird, an einen solchen öffentlichen Auftrag zu kommen, steht nun auch noch in Zweifel, ob das besagte Unternehmen über- haupt über die Qualifikationen für die Ana- lyse der Tests verfügte. Der geschäftsführen- de Arzt darf inzwischen wegen diverser Zwischenfälle nicht einmal mehr als solcher praktizieren. Wer genau den Auftrag erteilt hat, wird vom Land genauso wenig bekannt gegeben, wie, ob es dafür irgendeine Art von Konsequenz geben wird. Man musste eben aufgrund der Pandemie schnell handeln, das ist das Einzige, was man hört. Die Corona-Krise mag so manchen Fehler entschuldigen. Sie darf aber keine Rechtfer- tigung für jede Art von Verfehlung darstel- len. In Tirol muss sich dringend etwas än- dern. Das kann nur gelingen, wenn sämtli- che Maßnahmen zur Krisenbewältigung dokumentiert und danach ehrlich aufgear- beitet werden. Die Aufarbeitung ist nicht nur wichtig, damit Politiker Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen. Sie muss vor allem dazu genutzt werden, um aus den Fehlern, die passiert sind, zu lernen und so die nächste Krise besser zu meistern. [email protected] Eintauchen in Euregio Euregio Akademie 2021: Gemeinsam zu nachhaltigen Strategien Unter dem Motto „Gemeinsame Wurzeln, Herausforderungen, Zukunft“ haben 30 Studierende und Interessierte unter 35 Jahren im Rahmen der Euregio-Akademie 2021 die Möglichkeit, inten- siv in die Grundlagen und Kernthemen der Europaregion einzu- tauchen D ie TeilnehmerInnen können ihr Wissen über die Europaregion und ihre Struk- turen vertiefen und sich mit ExpertIn- nen sowie VerantwortungsträgerInnen austau- schen. Anmeldungen sind ab sofort möglich. „Die Zusammenarbeit in der Europaregion Ti- Im Vorjahr hatten die Jugendlichen der Euregio-Akademie die Möglichkeit, sich mit LH Günther Platter auszutauschen. © Land Tirol/Berger rol-Südtirol-Trentino ist sehr bereichernd für unsere Länder. Wir bewahren unser kulturelles Erbe und arbeiten gemeinsam an nachhaltigen Strategien für die Zukunft“, betont Euregio- Präsident LH Günther Platter. „Fortbildungen wie die Euregio-Akademie vermitteln unsere gemeinsamen Werte und sind ideal für alle, die bereits im länderübergreifenden Kontext arbei- ten oder es in Zukunft möchten.“ Drei Wochenenden, drei Landesteile, viele in- teressante Themen und Persönlichkeiten Ziel der Euregio-Akademie ist es, den 30 Teil- nehmenden die Kernthemen und Grundlagen der Euregio näherzubringen. Die Seminarin- halte werden aufbauend an drei Wochenenden in jeweils einem der Euregio-Landesteile ver- mittelt. Erstmals finden heuer auch drei Vorbe- reitungs-Webinare in Form von Vorträgen mit anschließender Diskussion statt. Das erste Wochenende findet vom 28. Mai bis 30. Mai 2021 in Levico Terme statt. Vom 16. bis 18. Juli 2021 treffen sich die TeilnehmerInnen in Neustift bei Brixen. Vom 19. bis 22. August geht es zum Europäischen Forum Alpbach. Anmeldungen sind bis 7. Mai 2021 unter www.euregio.info/academy möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 90 Euro für die ge- samte Seminarreihe inkl. Unterkunft, Verpfle- gung und Transfers im Rahmen des Pro- gramms. Die Grundvoraussetzung für die Teil- nahme sind Kenntnisse der deutschen und ita- lienischen Sprache und eine Kurzbeschreibung der Motivation zur Teilnahme. Die Euregio- Akademie ist eine Initiative des EVTZ Europa- region-Tirol-Südtirol-Trentino. Sie wird in Zu- sammenarbeit mit der Fondazione Trentina Al- cide De Gasperi, welche die erste Etappe im Trentino mitorganisiert, sowie der Universitä- ten Innsbruck, Bozen und Trient und in Zu- sammenarbeit mit Eurac Research veranstaltet. Verbesserung der Arbeitsplatzqualität AK startet große Erhebung zu Arbeitsplätzen in der Euregio Die AKTirol startet eine repräsentative Erhebung der Arbeitsbe- dingungen in der gesamten Europaregion. Durch die Erhebung sollen Arbeitsplatzbedingungen besser vergleichbar werden. Foto: Pixabay D ie Arbeiterkammer Tirol, das Arbeits- forschungsinstitut Südtirol (AFI) und die Arbeitsagentur des Trentino starten anlässlich des 1. Mai, des Internationalen Tags der Arbeit, eine repräsentative Erhebung der Arbeitsbedingungen in der gesamten Europa- region. „Die Qualität jedes einzelnen Arbeitsplatzes ist auch in Zeiten von Corona ein zentraler Faktor für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das Projekt umfasst insgesamt 4.500 telefoni- sche Interviews und stellt für die nächsten Jahre die zentrale Wissensbasis für die Weiterent- wicklung und Verbesserung der Arbeitsbedin- gungen in den Ländern der Euregio dar“, ist AK Präsident Erwin Zangerl überzeugt. Auch Ar- beitslandesrätin Beate Palfrader sieht in der Eu- regio-Erhebung eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zur Sicherung der Arbeitsplatzqua- lität. Erhebung unter allen Beschäftigten „European Working Condition Survey“ be- zeichnet die europaweite Erhebung zu den Ar- beitsbedingungen von Eurofound, der europäi- schen Stiftung zur Verbesserung der Arbeitsbe- dingungen mit Sitz in Dublin. In Ergänzung zu den bundesweiten EWCS-Erhebungen, die auf- grund der geringen Zahl an Interviews für die drei Länder der Europaregion nicht repräsenta- tiv und damit wenig aussagekräftig sind, führt die Euregio auf Initiative der AK und des AFI eine repräsentative Erhebung unter allen Be- schäftigten (Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Freiberufler) auf ihrem Gebiet durch. Es han- delt sich um die erste grenzübergreifende In- itiative mit regionalem Charakter in diesem Be- reich in ganz Europa. Einheitliche Methodik für Vergleichbarkeit Die Auswertungen lassen wissenschaftlich fun- dierte Rückschlüsse auf alle in der Europaregi- on besonders wichtigen Branchen zu (z. B. Gastgewerbe, verarbeitendes Gewerbe, Bauge- werbe, Handel, öffentlicher Dienst). „Die Eure- gio-Erhebung zur Arbeitsplatzqualität ermög- licht durch die perfekte internationale und eu- roregionale Vergleichbarkeit zahlreiche wissen- schaftlich fundierte Rückschlüsse auf standort- relevante Faktoren. Dadurch werden wir in der Lage sein, Rückschlüsse auf die Qualität der Ar- beitsplätze zu ziehen und bei negativen Ent- wicklungen gegenzusteuern“, erklärt Palfrader. Der 360-Grad-Blick auf Arbeitsbedingungen Inhaltlich dreht sich die Studie um das Erleben und Verhalten von Arbeitnehmern und Arbeit- gebern an ihrer Arbeitsstelle: Wie steht es um psychische und körperliche Belastungen? Wie ist das Betriebsklima? Wieviel Gestaltungs- spielraum haben die Beschäftigten? Sind die Arbeitsbedingungen zufriedenstellend – und wie kommen die Beschäftigten mit ihrem Lohn über die Runden? „Diese Faktoren werden in Zukunft immer wichtiger, um als Wirtschafts- und Arbeitsstandort attraktiv zu bleiben“, weiß AK Präsident Erwin Zangerl. Im Bundesland Tirol werden von Mai bis Juli insgesamt 1.500 Personen telefonisch zu ihrer Jobqualität be- fragt. Projekt der Euregio-Präsidentschaft Das Projekt wurde im Regierungsprogramm zur Tiroler Euregio-Präsidentschaft 2019-2021 als Schwerpunktprojekt verankert. Die Umset- zung soll im Rahmen eines gemeinsamen Pro- jekts der EVTZ Europaregion Tirol-Südtirol- Trentino mit den drei Partnern Arbeiterkam- mer Tirol (AK), Arbeitsforschungsinstitut Süd- tirol (AFI) und Arbeitsagentur Trentino erfol- gen. Die Ergebnisse der Erhebung werden von den drei Partnerorganisationen im Fünfjahreszeit- raum 2021-2025 laufend in Form von For- schungsberichten veröffentlicht. Zusätzlich soll jeweils einmal im Jahr ein spannender Aspekt herausgegriffen werden und mit den Sozial- partnern und den politischen Entscheidungs- trägerinnen und Entscheidungsträgern sowie Sachverständigen aus der Wissenschaft disku- tiert werden. Die Auftakttagung findet am 24. November 2021 in Innsbruck statt. KOMMENTAR

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc1MzM=