03.02.2012
Kategorie: Wirtschaft

Führen ohne Druck: Eine Bank machts vor


Kronawitter: „Führen ohne Druck“ bedeutet nicht kuscheln. [Foto: RB Ichenhausen]

basics: Herr Kronawitter, Sie werden im Rahmen der OPM Schmiede einen Vortrag zum Thema „Führen ohne Druck“ halten – was genau bedeutet das in der Praxis?
Ernst Kronawitter: Dahinter steht eine Denkhaltung – „Behandle deine Mitarbeiter so, wie du auch selbst behandelt werden willst“ –, die sich innerhalb des ganzen Unternehmens verbreitet und permanent (vor-)gelebt werden muss. Andererseits wird auch auf Führungsinstrumente, insbesondere im Vertrieb, komplett verzichtet. Einige Beispiele: Die Vertriebsmitarbeiter  werden weder mit Einzel- noch mit Produktzielen gezwungen, im Beratungsgespräch Produkte zu verkaufen, die eigentlich nicht in das Anlageziel der Kunden passen. Zudem werden die Mitarbeiter der Bank ausschließlich mit überdurchschnittlichen Festgehältern bezahlt, was für den Einzelnen zu materieller Planungssicherheit führt. Bereits seit 2002 werden in unserem Hause keine zusätzlichen Provisionen oder Bonifikationen in Verbindung mit Vertriebsleistungen bezahlt. Führen ohne Druck gilt natürlich nicht nur für die Marktmitarbeiter der Bank, sondern erstreckt sich auf alle Bereiche des Unternehmens.
Das sind nur einige Beispiele aus einer großen Summe von Maßnahmen, die es umzusetzen gilt, wenn man am Ende auch Erfolg mit diesem Konzept haben will.
basics: Ihr Ansatz läuft üblichen Praktiken zuwider – warum genau sind sie erfolgreich damit?
Kronawitter: Grundsätzlich ist es so, dass immer mehrere Wege zum Ziel und Erfolg führen. Ich will betonen, dass es im Bayerischen Genossenschaftsverband durchaus Banken gibt, die vertrieblich und betriebswirtschaftlich erfolgreicher sind als wir. Neben den betriebswirtschaftlichen „Hard­facts“ existieren auch andere wichtige Komponenten. Ich fasse das gerne unter der Bezeichnung „dreifaches Win-Win-Prinzip“ zusammen: Dem Unternehmen geht es gut, die Kunden und die Mitarbeiter sind hochzufrieden. Dies wurde uns auch in einem wissenschaftlichen Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Bochum bestätigt. Wir erzielten hier Werte bei Organisationsklima und Mitarbeiterzufriedenheit, die in der Finanzbranche bisher nicht annähernd gemessen wurden. Entscheidend ist einfach, die „richtigen“ Mitarbeiter zu beschäftigen, aber bei anhaltenden Minderleistungen von Mitarbeitern auch konsequent zu sein. Im schlechtesten Fall muß man sich auch mal trennen. „Führen ohne Druck“ heißt keinesfalls „kuscheln ohne Ende“.