19.08.2011
Kategorie: Kopf der Woche

ERWIN ZANGERL

zangerl„In Geiselhaft der Finanz“

DER TIROLER Arbeiterkammer-Präsident Erwin Zangerl sorgte dieser Tage für Furore. Mit dem Urteil gegen einige illegale Klauseln in Kreditverträgen der Tiroler Volksbank sowie der Uni Credit Bank Austria unterstrich die Kammer für Arbeitnehmer wieder einmal ihre Bedeutung.
Die Art und Wiese, wie Banken aktuell an den Finanzmärkten agieren, stößt dem AK-Chef generell sauer auf: „Wir befinden uns in der Geiselhaft globaler Finanz- und Spekulationsmärkte. Die Politik hat sich ihre Verantwortung nehmen lassen.“
Kennt Zangerl einen Weg aus der Krise? „Es fehlt immer noch die Besteuerung auf Finanztransaktionen und Spekulationen. Es ist der falsche Ansatz, jetzt mit Sparpaketen die Menschen noch zusätzlich zu belasten. Die Konjunktur lebt von der Kaufkraft der Arbeitnehmer.“ Wenn Zangerl gegen die Politik und die Finanzmärkte wettert, zeigt er auch auf die heimischen Politiker: „Es wird nur noch Politik der Reichen und Schönen gemacht. Die Politik hat in vielen Bereichen den Zugang zu den arbeitenden Menschen verloren. Soziale Probleme werden ausgeblendet. Immer mehr fühlen sich alleingelassen mit ihren Problemen. Industrie- und Wirtschaftslobbys wollen die Spielregeln diktieren. Und die Politik betet den Unsinn nach. Die Errungenschaften unseres Sozialstaates, auf dessen Basis unser Wohlstand und der soziale Friede aufgebaut sind, werden scheibchenweise demontiert. Immer mehr Arbeitnehmer, aber auch kleine Unternehmer geraten in ernste Bedrängnis. Es geht um Verteilungsgerechtigkeit.“
Um der abgehobenen Politik einen Riegel vorzuschieben, empfiehlt Zangerl eine Transparenzdatenbank: „Die Wirtschaftspolitik ist eine Umverteilungspolitik, aber von unten nach oben, die der Steuerzahler zu blechen hat. Deshalb halte ich eine Transparenzdatenbank auf Landesebene für ein Gebot der Stunde. Wer bekommt was in unserem Land? Diese Frage muss offen diskutiert werden.“