Die Tiroler basics NR. 472

Die Tiroler D I E Z E I T UNG F ÜR POL I T I K , WI R T SCHA F T, B I L DUNG , WI SSEN UND MOB I L I TÄT · WWW. BAS I CS -MED I A . AT Das Land Tirol wünscht sich geänderte Förderrichtlinien, um die Photovolaik-Offensive noch effizienter verfolgen zu können. Foto: Rainer Sturm/Pixelio Sind auf dem richtigenWeg Energiebilanz 2019: Tirol schneidet gut ab – Photovoltaik legt um 13 Prozent zu Bei der Energiebilanz der Statistik Austria schneidet das Bundes- land Tirol gut ab. Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler ortet sowohl Fortschritte als auch noch großes Potenzial, vor al- lem im Bereich Photovoltaik. Geltende Förderrichtlinien vom Bund seien aber einHemmschuh, so Geisler. Tirols Energiereferent LHStv. Josef Geisler wür- de Private bei der Errichtung von PV-Anlagen im Rahmen der Konjunkturoffensive gerne zusätz- lich mit Landesmitteln unterstützen. Die Bun- desrichtlinie lässt dies derzeit aber nicht zu. Foto: Martin Vandory I m Jahr 2019 war von Corona noch nicht die Rede. „Der Wirtschaftsmotor brummte und die Beschäftigungslage war sehr gut. Trotzdem schneidet Tirol in der Energiebilanz im Bun- desvergleich gut ab“, analysiert Tirols Energie- referent Lansdeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler. Mit einem erneuerbaren Anteil von 45 Prozent liegt Tirol deutlich über dem Bundes- schnitt. Die Steigerung des Energieeinsatzes fiel in Tirol mit 1,1 Prozent hingegen geringer aus. „Von der angestrebten Energieautonomie Tirols 2050 sind wir trotz einiger Fortschritte aller- dings noch immer ein gutes Stück entfernt“, weiß Geisler. Die Steigerung der Energieeffizi- enz und der Ausbau der heimischen erneuerba- ren Energieträger Wasserkraft, Biomasse, Um- weltwärme und Photovoltaik (PV) blieben so- mit eine Herausforderung. Die Energieerzeugung aus PV konnte in Ti- rol von 2018 auf 2019 zwar ummehr als 13 Pro- zent gesteigert werden. „Hier liegt aber noch viel Potenzial. Im Rahmen der Tiroler Kon- junkturoffensive nehmen wir viel Geld in die Hand. Allerdings ist es derzeit nicht möglich, die Bundesförderungen für den PV-Ausbau im Privatbereich mit Landesmitteln aufzustocken“, sieht LHStv. Geisler in den geltenden Förder- richtlinien einen Hemmschuh für einen ra- scheren PV-Ausbau. Der Energiebedarf in Tirol ist trotz dynami- scher Wirtschafts- und Bevölkerungsentwick- lung 2019 gegenüber dem Vorjahr 2018 ledig- lich um 1,1 Prozent gestiegen. Auch gegenüber dem Vergleichszeitraum 2005 zeigt sich eine sehr stabile Situation. In diesem Zeitraum ist der Energiebedarf in Tirol um 1,9 Prozent (Ös- terreich + 3%) gestiegen. Der Anteil der erneu- erbaren Energieträger konnte von damals 37 auf aktuell 45 Prozent gesteigert werden. Gebremste Entwicklung beim Verkehr Gegenläufig verläuft der Trend im Sektor Verkehr, wenngleich auch hier eine gebremste Entwicklung in Sicht ist. Im Bereich Verkehr hat sich der Energiebedarf in Tirol seit 2005 um mehr als elf Prozent erhöht, von 2018 auf 2019 betrug die Steigerungsrate in Tirol 1,5 Prozent, liegt damit aber ebenfalls unter der österreich- weiten Zunahme von 2,1 Prozent. Nach wie vor keine rückläufige Tendenz gibt es beim Energiebedarf privater Haushalte. Der Anstieg des Endenergieeinsatzes um 9,7 Pro- zent seit 2005 entsprach in etwa dem Bevölke- rungsanstieg von 9,2 Prozent. „Auch hier muss es gelingen, den Energiebedarf von der steigen- den Zahl der Haushalte und der Bevölkerungs- zahl zu entkoppeln und zu reduzieren“, verweist Geisler auf zahlreiche Maßnahmen des Landes etwa zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme. Steuerfreiheit ausdehnen Im Rahmen des 3. Covid-Maßnahmenpakets wurde Mitte letzten Jahres die Steuerfreiheit von Corona-Zulagen und Bonuszahlungen im Ausmaß von bis zu 3.000 Euro für das Jahr 2020 beschlossen. „Es wäre sinnvoll und wünschens- wert, diese Maßnahme auch 2021 beizubehal- ten. Außerdem sollte sie weiterhin für alle Branchen gelten“, sagt AK Präsident Erwin Zangerl. Die Steuerfreiheit von Corona-Zula- gen und Bonuszahlungen im Ausmaß bis zu 3.000 Euro war eine wichtige Stütze für die kri- sengebeutelten heimischen Unternehmer und Beschäftigten. Denn damit konnten Arbeitge- ber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freiwillige Corona-Prämien aufgrund er- schwerter Arbeitsbedingungen steuer- und so- zialversicherungsfrei abgelten, um so ihren Dank gegenüber den Beschäftigten auszudrü- cken. „Gerade in dieser Krise zählt jeder Euro für die Beschäftigten doppelt, deshalb soll diese Maßnahme auch 2021 fortgeführt werden“, so Tirols AK Präsident Zangerl in Richtung des Fi- nanzministers. Nachdem mittlerweile kaum mehr ein Arbeits- bereich nicht von Corona betroffen ist und die Belastung für die Beschäftigten auch aufgrund der bereits lang andauernden Krisen-Situation immer größer wird, schlägt Zangerl nicht nur die zeitliche Ausdehnung der Steuerfreiheit von Corona-Zulagen und Bonuszahlungen vor, sondern auch die Beibehaltung der Regelung für alle Branchen, nicht nur systemrelevanter. „Es wäre jedenfalls gerecht und auch ein An- sporn für die Arbeitgeber, wenn diesbezügliche Zuwendungen ohne Abgabenbelastung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ankommen würden. Das wäre auch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung, so würden letztendlich so- wohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber da- von profitieren“, sagt Zangerl. D er Endenergieeinsatz im Produktions- bereich war - laut Energiemonitoring des Landes Tirol - im Jahr 2019 um 3,9 Pro- zent geringer als noch im Jahr 2005. Das be- deutet eine Einsparung von insgesamt 246 Gigawattstunden (GWh). Die Entkoppelung des Wachstums vom Energieeinsatz ist damit in der Tiroler Industrie eindrucksvoll gelungen. Die Bruttowertschöpfung ist nämlich im Produktionsbereich in diesen 14 Jahren um über 20 Prozent gestiegen. Diese enorme Steigerung der Energieeffizienz war nur durch den Einsatz von Technik am je- weils letzten Stand, verbunden mit hohen Investitionen, möglich. Die Entwicklung in der Industrie ist besonders hervorzuheben, weil der Gesamtenergieeinsatz in Tirol ge- genüber 2005 um 1,7 Prozent gestiegen ist. .„Die Investitionen der Industrie in die Energieeffizienz sind Investitionen in den Umweltschutz, für bessere Luft und weniger CO² Emissionen,“ stellt der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Tirol, Eugen Stark, dazu fest. Tiroler Industrie ist Vorreiter bei Energieeffizienz! FREITAG, 29.1.2021 NR. 472 14. JAHRGANG AUFLAGE TIROLWEIT ALLE 14 TAGE NEU 248.000

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